Biografie

( For English, click on the flag )

1947 : Brian Parrish wird am 12.Juli als Brian Morris, Sohn von Victor und Joyce Morris in Ilford, Essex, England geboren. Er kommt zusammen mit seiner Zwillingsschwester “Boogie“ zur Welt.“Ich weiß nicht warum, aber ich nannte sie “Boogie“ und dabei blieb es,“sagt Brian.

1958 : Seine erste Gitarre bekam Brian von seinen Eltern für die bestandene Aufnahmeprüfung zur Highschool. Ironie des Schicksals : Von diesem Moment an verlor er das Interesse an der Schule.

1959 : Dieses Jahr sollte die Weichen für sein weiteres Leben stellen. Seine musikalische Erleuchtung kam, als er die Platten von Little Richard hörte, die ihn sofort elektrisierten. “Wie von einem anderen Planeten !“. In diesem Jahr war es auch, dass sein Vater ihn mit ins Kino nahm. Es war ein Low-Budget- Film mit den Stars der Stunde, Little Richard, The Platters und bezeichnenderweise, Gene Vincent. Die Kamerafahrt über eine Straße durchs Fenster eines Übungsraumes wurde begleitet von den Anfangsakkorden von „ Be- Bop- Alula“. Die Echoeffekte waren erstaunlich für die damalige Zeit und Gene Vincent und The Blue Caps im Fokus der Kamera waren elektrisierend. Im Alter von elf Jahren wusste Brian, was er mit seinem Leben anfangen wollte. Der Film hieß ”The Girl can´t help it”, ein Rock´n´Roll Film. Das “Girl” allerdings, gespielt von Jayne Mansfield ( denkwürdig aus zwei vollkommen anderen, schwerwiegenden Gründen) spielte eine eher untergeordnete Rolle in der Geschichte des Rock´n´Roll.

1960 : Brian macht erste Bühnenerfahrungen mit seinem Vater, einem Sänger, wie auch schon sein Großvater. Brian hört Lonnie Donegan – damals ein beliebter britischer Sänger. Lonnie weckt Brians Interesse an ursprünglicher amerikanischer Musik, die er bis dahin nur als “Skiffle“ kannte. Von Woody Guthrie, Leadbelly und anderen musikalischen Urgesteinen wusste er nichts. Little Richard, Gene Vincent, Jerry Lee Lewis – sie alle bringen seinen Puls auf Hochtouren. Ebenso wie Buddy Holly, der seine eigenen Songs schreibt. Die Welt veränderte sich!

Wie so viele englische Jungen ist auch Brian von dem Gitarrensound der “Shadows“ fasziniert, der damaligen Band des äußerst populären Cliff Richard. Brian behauptet, dass Cliff mit “Move it“ die beste englische Rock´n´Roll- Produktion aller Zeiten abgeliefert habe.

Brian meint :“Cliff hat uns wirklich fallengelassen und verraten, weil er nie wieder etwas so wertvolles und musikalisch interessantes produziert hat. Sir Cliffs Bankdirektor und Legionen von Fans werden mir nicht zustimmen, aber was hilft´s? Mit “Move it“ kriegst du mich immer.

1962 : Mit zwei anderen Jungen- Chris Marsh und Ricky Carlowe – gründet Brian seine erste Band. Sie nennen sich “The Titans“ und spielen in Pubs, obwohl Brian mit 15 Jahren eigentlich viel zu jung war, um solche Lokalitäten zu betreten. Er schrieb seine ersten “wirklich scheußlichen“ Songs.“Ich denke, dass ich heute etwas besser bin, aber darüber sollen andere urteilen.“

1963 : Brian trifft Paul Curtis – wie der sich damals nannte ( der wirkliche Name war Paul Gurvitz ).Die beiden hatten die gleiche Leidenschaft. Pauls Vater Sam war der Tourmanager der legendären “Shadows“ – eine unbezahlbare Connection. Paul und Brian gründen mit Mick Palmer ( Bass ) und Stan ( ? ) am Schlagzeug eine neue Band. Sie nennen sich “The Londoners“ . Sam Curtis verschafft ihnen erste Auftritte in Frankreich und Deutschland, sie spielen in amerikanischen Militärstützpunkten. Brian erinnert sich: “ Die Schwarzen mochten uns am liebsten. Wir hatten keine Ahnung, warum gerade sie uns in ihr Herz schlossen, vielleicht, weil wir ihre Musik spielten, Rythm´n´ Blues- wahrscheinlich ziemlich schlecht – aber mit unglaublicher Hingabe!“ Wir hatten kein Problem damit, dass wir vier weißen englischen Jungs “Parchman Farm“ spielten, einen Song über ein Zuchthaus in Louisiana, das bekannt für seine brutale Behandlung der schwarzen Gefangenen war. Wir hatten wirklich keine Ahnung.

Zurück in England werden sie als Begleitband von Gene Vincent engagiert. Den Kontakt hatte natürlich Sam Curtis hergestellt, mittlerweile Manager der “Londoners“. Vincent war derzeit britischer Staatsbürger. Brian sagt, damals habe er zwei Dinge gelernt. Erstens : Helden sind auch nur Menschen und zweitens : Rockmusik zu spielen ist der beste Job der Welt. Die Londoners gehen in England mit einer Rock´n´Roll- Show auf Tour, wo sie mit anderen Größen wie Carl Perkins und Jerry Lee Lewis zusammen auftreten. Ein paar Jahre später macht Brian Plattenaufnahmen mit Jerry Lee, aber das ist 1963 noch Zukunftsmusik. Brian unterschreibt seinen ersten Vertrag und seineSongs werden von anderen Künstlern aufgenommen.

1964 : Die Londoners bekommen Auftrittsangebote in Deutschland. Die erste Station ist der Star Club in Bremen, ein Ableger des Hamburger Originals. Der Bremer Club existiert nur eine kurze Zeit. Die Londoners erweisen sich als sehr erfolgreich. In Bremen trifft Brian zwei Menschen, die in seinem späteren Leben eine wichtige Rolle spielen sollen : Jochen Laschinsky und die schöne, junge Angela Panneck.

Angela absolviert gerade eine Fotografenlehre und kommt in den Club, um Bilder zu machen. Schnell freundet sie sich mit der Band an und hilft, wann immer eine Dolmetscherin gebraucht wird. Der Kontakt wird enger und sie lädt die Londeners nach Hause zu ihren Eltern ein. Da sie nicht den Einruck von wilden Rock´n´Rollern vermitteln wollen, benehmen sie sich tadellos, sind höflich – und – alle tragen Anzug und Krawatte. Wir haben die Beweisfotos ! Über Jochen, später...

Nach einem Monat in Bremen spielen die Londoners zum ersten Mal im Star- Club in Hamburg. Die Beatles, damals schon berühmt und auf ihrem Weg zu weiteren phänomenalen Erfolgen, hatten wie viele andere britische Bands hier gespielt und den Club binnen kürzester Zeit zum heiligen Gral der europäischen Rock´n´Roll- Szene werden lassen. Es herrscht eine fantastische Energie zwischen dem jungen deutschen Publikum und den britischen Bands.

Die sich ständig weiterentwickelnde Bühnenshow der Londoners begeistert das Publikum und die Gruppe tritt in den nächsten zwei Jahren regelmäßig im Star- Club auf, zwischendurch spielen sie in Skandinavien und England. Einmal bleiben sie für sieben oder acht Monate ohne Unterbrechung.

Das ist allerdings nicht nur ihrer unangefochtenen Popularität zu verdanken sondern auch der Tatsache, dass der Star- Club- Boss Manfred Weissleder einige Probleme mit dem Finanzamt hat, so dass er der Band nur das nötigste für den täglichen Unterhalt aus der Abendkassezahlen kann . Die ganze Situation hat allerdings den Vorteil, dass die Band ihren Erfolg ausbauen kann, sondern auch an ihrer Bühnenshow feilt .Sie spielen jeden Abend drei bis vier Stunden, sieben Tage die Woche ! Am Ende lohnt sich die Sache doch, die Gelder fließen, Manfred kann seine Steuerschulden begleichen und für die Band gibt es einen schönen Zahltag. Regelmäßig besucht Angela Panneck ihre “Jungs“ in Hamburg.

Unmöglich, alle Bands, die im Star- Club spielen , aufzuzählen, aber auf drei möchte ich doch eingehen.Die erste verdient Anerkennung zum einen für ihre bodenständige Loyalität zum Rock´n´Roll und für bis heute anhaltende Freundschaft : Stehaufmännchen King Size Taylor and The Dominoes.

Die nächsten sind die Remo 4, eine großartig aufeinander eingespielte Band mit Colin Manley, einem tollen Gitarristen, Tony Ashton, bis zu seinem leider viel zu frühen Tod ein guter Freund von Brian, und Roy Dyke, ein hervorragender Drummer, der später mit Brian bei “Badger“ spielt.“ Als die REMOS auftauchten, wussten wir, dass wir ernsthafte Konkurrenz bekamen“,sagt Brian,“die waren soo gut“.

Die dritte Band sind die Cherokees, aber davon später...

1965 : Johnny Hallyday – derzeit ein großer Star im Elvis-Stil nimmt, Brians Song “Just my Imagination“ (C´est mon Imagination ) auf. Ein früher Erfolg für Brian, den Songwriter. Die Londeners nehmen eine Reihe von Singles in England auf, die unter dem Bandnamen “The Knack“ veröffentlicht werden. Mick Palmer am Bass wird durch Geary Kenworthy ersetzt. Die erste Single ist ein Ray Davis/Kinks Song “Who´ll be the Next in Line?”.

Sie ist nicht sehr erfolgreich- das heißt, sie wird im Radio gespielt, ein paar Platten werden verkauft, nichts Spektakuläres. Die Folgesingles laufen noch schlechter. Trotzdem, es gibt viel zu tun und die Band tourt unermüdlich durch Europa.

Als die Band zurück nach Deutschland kommt, um auf dem “Beat- Festival“ in der Bremer Stadthalle zusammen mit den Kinks zu spielen, treten sie wieder unter dem Namen “The Londoners“ auf, dem Namen, der in Deutschland besser bekannt ist. Jochen Laschinsky hilft der Band mit der Verstärkeranlage seiner eigenen, jungen Band, den Mushroams, und natürlich ist auch Angela dabei. Der Auftritt ist ein großer Erfolg.

The Knack kehren für weitere Auftritte nach England zurück und vertiefen ihre Freundschaft mit den Cherokees, besuchen sie, wenn sie in der Nähe von Leeds, der Heimat der Cherokees, spielen und bekommen natürlich auch Besuch von ihren Freunden aus dem Norden, wenn diese “ im tiefen Süden“ Arbeit haben. In dieser Zeit verlässt Drummer Jim die Cherokees und Topper Clay von “The Knack“ übernimmt seinen Platz. The Knack rekrutieren Louie Farrell für den Schlagzeughocker. The Knack, jetzt wieder The Londoners, treten erneut im Hamburger Star- Club auf, im zweiten Monat zusammen mit den Cherokees. Die Personalquerelen hatten der Freundschaft keinen Abbruch getan, und Topper fühlt sich sehr wohl in seiner neuen “Familie“.Weihnachten 1966 will Brian auf keinen Fall auftreten, “egal,wie viel Geld mir geboten wird“, war die Band doch die letzen drei Weihnachten aufgetreten. Natürlich kommt ein tolles Angebot für einen Weihnachtsauftritt und die Band akzeptiert es. Brian sagt : “ Niemals“.

Die anderen sagen,“ wenn du nicht mitmachst, bist du draussen“ . Brian sagt :“OK, ich bin draussen.“ und verlässt daraufhin die Band.

Er bleibt mit den Cherokees befreundet, die sich jetzt “New York Public Library“ nennen und mit dem 60er- Produzenten Mickie Most ( Animals, Lulu, Jeff Beck, die furchtbaren Hermans Hermits usw.) Platten aufnehmen. Als ihr Sänger John die Band verlässt, fragen sie Brian. Er akzeptiert.

NYPL tourt ausgiebig und während eines Gigs wird Brians spezielle short- scale Rickenbacker-Gitarre gestohlen. Die Gitarre muss schnell ersetzt werden, aber natürlich ist das gleiche seltene Modell nicht zu bekommen. Brian erwirbt stattdessen eine zwölfsaitige Rickenbacker, deren kreischender “ Jangle- Sound“ eine Zeit lang das Markenzeichen von NYPL wird. Die Band nimmt einige Singles auf- einige von Brians Songs, aber auch Stücke von den “ Doors“, den “ Lovin´ Spoonful und Anderen. Angela Panneck besucht Brian in England. Brian arbeitet in diesem Jahr viel als Studiomusiker und seine Songs werden von

mehreren Pop-Künstlern und Bands gecovert. Erwähnenswert sind in diesem Zusammenhang vor allem Dave Dee, Dozy, Beaky, Mick and Tich, schon wegen ihres verrückten Namens. Sie sind sehr “poppig“ und äußerst erfolgreich in Europa. Der leutselige Dave Dee wird ein guter Freund von Brian.

Am Besten gefällt Brian in dieser Zeit die Studioarbeit mit Amory Kane. Amory ist ein West-Coast- Songwriter. Er wird ein guter Freund und lieber Kollege, dessen Album, nach Brians Meinung, hätte viel mehr verkauft werden müssen. “ Wo auch immer du bist, Hallo und – Respekt !“

1967 : United Artists bietet Brian einen Solovertrag an und er verlässt NYPL. Er nimmt “Love Chant“ für das Label auf , als Komponist erscheint Brian Morris, als Interpret aber zum ersten Mal Brian Parrish.. Kurz danach lässt er seinen Namen offiziell ändern und heißt von nun an BRIAN PARRISH.

Es gibt Probleme mit dem derzeitigen Manager. “ Ich denke, er war nicht der ehrenwerteste Mensch, den ich in meinem Leben getroffen habe“ sagt Brian,“ ich übernehme die volle Verantwortung für meine Unterschrift, schuldig waren aber auch das rüde Geschäft und schuldig war ich wegen meiner ( Rock´n´Roll)-Exzesse. Die 12- Schritte- Entziehungskur, die schließlich mein Leben rettete, lag damals noch in ferner Zukunft.“

1968 : Brian trifft den Plattenproduzenten Lou Reizner. Lou ist von Brians neuen Songs begeistert und lädt ihn ein, mit ihm zusammen zu arbeiten. Brian bekommt seinen Appartmentschlüssel und er stellt ihm sein Studio zur Verfügung um die Songs zu perfektionieren und Demos aufzunehmen, während Lou in den USA unter anderem mit Richie Havens arbeitet.

1969 : Brian ist gerade auf der Straße in der Nähe von Lous Appartment, als ein Wagen neben ihm hält und der Fahrer fragt “ Wie geht´s ?“ Es ist Paul Curtis. In der Zwischenzeit hatte sich “ The Knack“ aufgelöst und Paul hatte mit seinem Bruder Adrian die der-Mann-Formation“The Gun“ gegründet. Sie hatten mit “Race with the Devil“ einen bedeutenden Hit platzieren können. Louis Farrell war wieder der Drummer.“The Gun“ war wieder verschwunden, trotz zweier Alben mit ( für die Zeit) guten Songs von Adrian Curtis.

Brian bittet Paul bei seinem Soloprojekt den Harmoniegesang zu übernehmen und die Stimmen passen so gut zusammen, “ dass es eine Schande gewesen wäre, wenn wir beide kein Duo gebildet hätten – vorausgesetzt, Paul hat Zeit.“ Er hat.

Als Lou Reizner aus Amerika zurückkommt ist er zunächst überrascht – aber dann sehr zufrieden mit dem Ergebnis. Brian überredet Paul, seinen eigentlichen Familiennamen “Gurvitz“ zu benutzen. Nach anfängliche Zweifeln willigt Paul ein und gibt zu, dass dieser

Name ethnisch ( und kulturell ?) viel interessanter klingt als das schmeichelhafte “Curtis“.

Dies ist die Geburtsstunde von “ PARRISH & GURVITZ “. Sie beginnen, ihre Songs, jetzt auch die von Paul Gurvitz, in den Londoner Island Studios aufzunehmen. Das resultierende Album mit unter anderem “On the Way Home“ bleibt unveröffentlicht. Dieser Brian Parrish- Song erscheint später auf “ One Live Badger“. ( Auf dem Atlantic- Album wird er wie noch zwei andere als Badger-Komposition deklariert.)

Parrish und Gurvitz unterzeichnen bei Barry Authors´ Canadian Management "AHED Music“ .Ihr neuer Manager spielt die von Lou Reitzner produzierten Mastertapes dem Beatles- Produzenten George Martin vor. Martin will die beiden bei seiner neuen Firma “A.I.R. London Company“ verpflichten und , was keine Überraschung ist, will er das Album persönlich produzieren. Geld wechselt den Besitzer, die Originalaufnahmen verschwinden irgendwo im Archiv und Lou Reitzner zieht sich diskret zurück. Reitzner, nebenbei bemerkt ein lieber Kerl, produziert weiter, unter anderem ein All- Star- Konzert und das Album “Tommy“ von Pete Townsend.

Auch Lou stirbt viel zu früh, aber so ist Gottes Wille. Wir vermissen Dich, Lou!

1970 : George Martin feilt an dem P&G-Projekt. Er ist es, der letztendlich die Songs aussucht, die Reihenfolge auf dem Album usw. “ Du diskutierst nicht mit einem musikalischen u n d erfolgreichen Mann dieser Größenordnung“, sagt Brian. Einige ältere Songs werden aufgegeben, die neueren werden von Martin favorisiert. Der Produzent segnet die Songs mit der Art von Orchesterarrangements, die auch integraler Bestandteil der abenteuerlichsten Beatles-Aufnahmen waren.

1971 : Es erscheint ein hochtrabender Artikel im “Sunday Mirror“ , der George Martins neue Schützlinge als “The New Beatles“ bejubelt. Der Zeitpunkt ist denkbar ungünstig, denn das Album ist noch nicht einmal erschienen und der Artikel ist voller Ungenauigkeiten und falscher Zitate, aber, der Schaden ist angerichtet. Die Katze ist aus dem Sack. Von jetzt an werden Parrish und Gurvitz das Objekt zunehmend hysterischer Zeitungsartikel weltweit und der Name der Beatles liegt wie eine zentnerschwere Last auf dem Projekt. Für “ die neuen Beatles“ selbst sind diese Hoffnungen, Erwartungen und unvermeidlichen Vergleiche nicht gerade förderlich für ihre Karriere. Es folgten Monate, in denen sie ihre Lippen zu mehreren ihrer Songs von dem Album in Fernsehshows bewegen und versuchen, die immer wieder von der Presse gestellte Frage im Sinne von “ Wie fühlt es sich an, die neuen Beatles zu sein ?“ zurückzuweisen.“ Haben die Beatles euch beeinflusst?“ und so weiter und so fort. Parrish & Gurvitz hatten zwar noch nicht einmal live gespielt, aber werden weltweit via Zeitung und Fernsehen an die Öffentlichkeit gezerrt. Brian und Paul, die sich ihre Sporen als Live- Musiker verdient hatten, werden jetzt von einer Maschinerie verschlungen, die verhindert, dass sie öffentlich spielen um ihr Können zu beweisen. Das Album kommt in den USA heraus und Tourdaten werden festgelegt ( dummerweise Monate nach der Albumveröffentlichung ). Ohne auf die strategische Dummheit des Timings Rücksicht zu nehmen und auf die Tatsache, dass die Investitionen nicht wieder reingeholt werden können, wählen Brian und Paul Musiker aus und beginnen voller Enthusiasmus für die Tour zu proben. Musiker wollen Musik machen! So einfach ist das !

1972 : Die Band ist schon heavier als die Songs mit vielen akustischen Elementen auf dem P& G –Album vermuten lassen. Die Auswahl der Musiker ist bezeichnend : Drummer Mike Kelly, vormals “Spooky Tooth“, hatte schon auf dem schwerpunktmäßig akustischen Debutalbum gespielt. Am Bass ist Rick Wills, zuvor bei “Cochise“ und später bei Roxy Music und Foreigner.

Mickey Gallagher spielt Keyboards. Mickey war über ”Skip Bifferty“ und andere Newcastle- Bands nach oben gekommen. In den folgenden Jahren sollte seine Arbeit mit Ian Dury and the Blockheads seinen ohnehin schon guten Ruf besiegeln. Mickey ist zur Zeit mit der Neuauflage der “Animals“ zu sehen. Die Band beginnt, Material vom ersten Album zu proben, jetzt aber viel härter und gleichzeitig neue Nummern für das geplante Album - “Parrish & Gurvitz TWO.“ Im Mai 1972 spielt die Band zwei Wochen lang öffentliche Proben im Nickelodeon, einer Bar in Toronto, als Warm up für ihre US- Tournee im Juni. Die Shows sind nicht für die Presse gedacht, sondern als “Trockenlauf“, um das Publikum zu testen.

Die Presse kommt hinzu und ist und ist sehr angetan. Bald kommen auch Reporter aus den USA, beeindruckt von ihrem US-Label MCA. Das Album ist zu diesem Zeitpunkt schon ein alter Hut, war es doch vor Monaten erschienen, und die Tour würde wenig dazu beitragen, den Verkauf anzukurbeln. Grosse Sorge bereitet MCA die Tatsache, dass die “softe“ Musik des P & G – Albums kaum noch zu spüren ist.

Das Label hatte keine Rockband unter Vertrag genommen, auch gut... Die Sache ähnelt jetzt mehr den elektrischen Grenzgängen von zum Beispiel Neil Young ( denk an Crazy Horse). Die Band hatte sich verändert, die Plattenfirma nicht. Die Tour startet in New York.

Die Shows sind ein voller Erfolg, aber die Plattenfirma leistet wenig bzw. gar keine Unterstützung. Keiner von denen hat eine Vorstellung wie man den Presserummel der vergangenen Monate ausnutzen könnte und das, was die Band aktuell macht, in bare Münze umzuwandeln. Zitat Brian: “ Wir hielten die Köpfe gesenkt und spielten, während unsere Manager die Vermarktung mit der Präzision undEntschlussfreudigkeit einer Horde kopfloser Hühner betrieben.“

“Ein Highlight der Tour war, als wir in New York Tickets für ein Elvis- Konzert im Madison Square Garden bekamen. Besorgt hatte sie uns Tom Parker, Elvis´ Manager. Er war nicht gerade für seine Großzügigkeit bekannt, ich glaube, es steckte etwas dahinter. Led Zeppelin, zu der Zeit die größte Band der Welt, kam auch vorbei und sie benahmen sich wie hysterische Fans. “ Wir werden Elvis sehen !“ Ich kann mich erinnern, dass Bonham vollen edwardianischen Ornat trug. Elvis war noch in der Vor-Michelin-Männchen- Phase, bevor er der Burger King wurde, und er war grandios!“

Die Band trennt sich von ihrem Management und kehrt nach England zurück, um sich in AIR Studios einzurichten und P & G TWO einzuspielen. Die Platte wird nicht veröffentlicht. Weil Brian und Paul die Band nur noch für die Studioarbeit bezahlen können, wechseln die Musiker zu Peter Frampton, vormals “Humble Pie“ , der sich in den USA mit der Band angefreundet hatte. Diese neue Band wird “Peter Framptons Camel“ und feiert tolle Erfolge mit “Frampton Comes Alive“. Paul und Brian sehen sich an, zucken die Schultern und sagen “OK, what´s next?“ Paul tut sich wieder mit seinem Bruder Adrian zusammen, der jetzt auch stolz den Namen Gurvitz trägt. Zusammen mit Ginger Baker werden sie die “Baker Gurvitz Army“.

1973 : Brian denkt gerade über seine weiteren Möglichkeiten nach, als das Telefon klingelt. Es ist Roy Dyke, ein alter Gefährte aus der Hamburger Star Club Zeit ( Remo 4 ). Sie hatten sich regelmäßig gesehen, sind sie doch beide Stammgäste im Speakeasy, Marquee, Revolution und all den anderen Londoner Clubs, wo sich Musiker treffen. Roy arbeitet gerade mit Tony Kaye, der “YES“ verlassen hatte ( an seiner Stelle jetzt Rick Wakeman ) und mit dem Bassisten und Songwriter David Foster. Roy fragt : “ Was treibst du gerade ? Hast du irgendwelche Songs ? Hättest du Lust, mit uns zu spielen ?“ Brian antwortet “ Nicht viel“ “ Ja, ein paar“ und “Mal seh´n“ auf diese Fragen. Ein Treffen wird vereinbart und Brian kommt in einen leeren Probenraum. Er fragt einen gelangweilten Roady “Bin ich hier richtig“ und “ Woist die Band?“ “Im Pub natürlich“ kommt die Antwort, und sofort weiß Brian, dass sie gut miteinander auskommen würden. Dies bewahrheitet sich, als sie ein paar Stunden später die ersten trunkenen Noten zusammen spielen.

Brian war nie ein Fan des sogenannten “ progressiven Rocks“ und deshalb ist Brian erfreut, dass die Band kantiger ist, als es Tony Kayes Vorleben hätte vermuten lassen. Die Solos sind immer noch beruhigend lang für die Freunde von Gitarren- und Orgel “Sahnestückchen“ Sechs Songs werden einstudiert. Vier von Brian- “Preacher“,“Wheel of Fortune“,“The River“ und das bereits erwähnte “On the Way Home“, dazu kommen zwei Dave -Foster- Songs, “Fountain“ und “Wind of Change“.

Die Band kommt bei “Worldwide Management“ unter, die auch schon Yes und Black Sabbath ( noch mit Ozzie ) im Stall haben. Als Name für die neue Band wird “Badger“ gewählt. Worldwide Management setzt die neue Band als Vorgruppe für einige anstehende Yes- Konzerte ein, und kurze Zeit später gehen sie mit Black Sabbath auf Europa Tournee. Die Idee ist, die Yes- Auftritte für ein Album aufzunehmen ( kurze Zeit später wird “Yessongs“ veröffentlicht).Irgendjemand schlägt vor, die Badger- Auftritte aufzunehmen, mit dem Hintergedanken, dass das Ganze ohne weitere Kosten als die für zwei Tonbänder vielleicht einmal nützlich sein könnte. Also werden im November zwei aufeinanderfolgende Badger- Konzerte im Rainbow Theater aufgenommen. Es kann sein, dass es ihre allerersten Auftritte sind, aber die Erinnerungen gehen hier auseinander, obwohl es scheint wahrscheinlich, dass zuvor ein Auftritt irgendwo in einer Universität zusammen mit den Groundhogs, noch einer Worldwide Band, stattgefunden hat. Dies ist zumindest die feste Überzeugung von Brian Parrish und David Foster. Das resultierende Album “One Live Badger“ erhält überwältigende Kritiken. Das Album verkauft sich in den USA gut und erscheint kurz nach seinem Erscheinen in den US “Billboard“- Charts.

Vor ihrer USA Tour geht die Band noch mit ihren Stallgenossen Black Sabbath auf Europa Tournee. Brian erinnert sich, “ Sofort verstanden wir uns gut mit Sabbath- und Ozzie, dessen Glanz auf uns abfärbte. Die Shows liefen gut und mit so einer Truppe von Verrückten in beiden Bands hatten wir jede Menge Spaß, Ich denke jeder, der mit dem Mann einmal zusammen war, hat einen Haufen Ozzie Osbourn. Geschichten. Ich natürlich auch, aber dafür ist dies nicht der richtige Platz. Der Punkt aber ist, Ozzie ist ein liebenswerter Kerl und ich möchte ihm gern noch einmal Aug´in Aug´ gegenüberstehen.“

“Ich erinnere mich noch gut an einen Bühnenbrand in Italien, als wir in einer Arena spielten. Große Flammen schlugen aus der Dekoration und das Publikum wurde von einer schwarzen Rauchwand verdeckt. Das hatte nichts mit den weißen Rauchschwaden aus unseren Nebelmaschinen zu tun, sondern bildete den dramatischen Abschluss unseres Konzerts, gefolgt von dem rührenden Bemühen der italienischen Feuerwehr, der Situation Herr zu werden. Ein anderes Mal in Italien versuchten uns die Promotor zu überreden, italienische Verstärker zu benutzen. Wir sagten “vielen Dank, aber wirklich nicht, wir nehmen unsere Eigenen.“ Als wir am Abend ankamen, erzählte uns die Crew, dass unsere Trucks auf mysteriöse Weise verschwunden seien. Trotzdem, wir hatten Verstärker, glänzende, nagelneue italienische Verstärker. Die Promoter sagten, “ Ihr habt Glück, unsere Leute haben italienische Verstärker organisiert um Euch zu helfen“ Am nächsten Tag tauchten unsere Trucks wieder auf, hmm...“ Es war die Zeit der “freien“ Konzerte und bei einem anderen Auftrittrandalierten draußen ein paar Tausend Menschen die nicht bezahlen wollten, und stürmten schließlich den Schauplatz. Sie sprangen sogar noch auf unseren Limousinen herum, als wir nach dem Konzert abfahren wollten. Wir haben wirklich alles gemacht in Europa, alles - außer schlafen. Der Vollständigkeit halber sei gesagt, dass ich erschöpft nach England zurückkehrte.“Brian entschließt sich kurz vor der äußerst wichtigen US-Tour, die Band zu verlassen. “ Nicht sehr kollegial gegenüber den Anderen,“ gibt Brian zu, “ ich bin froh, dass sie noch mit mir reden.“

“Am Vorabend der US-Tour , die mit knisternder Spannung wegen des ersten Albums erwartet wurde, die Band zu verlassen, glich meinem beruflichen Selbstmord – aber ich hatte persönliche Probleme. So war´s, und ich ging“.

Das Album wird hoch gehandelt. Zum X-ten Mal wird das Album neu aufgelegt.

Im Folgenden, Werbung von der Website des Labels und< auch unabhängige Kritiken: In der Geschichte der englischen ( und amerikanischen) Rockmusik ist es selten, wenn nicht einzigartig, einen Live- Mitschnitt als Erstveröffentlichung auf den Markt zu bringen.Normalerweise ist dies der Schritt einiger weniger Wagemutigen, die zuvor mit sorgfältig produzierten Studioalben erfolgreich gewesen waren. Für Badger war es eher eine Reihe von glücklichen Zufällen als ausgeklügelte Strategie. 1971 finden eine Reihe von Auftritten der neu gegründeten Band Badger statt, als Special Guest ihrer Stallgefährten YES. Deren Konzerte werden für ein geplantes Live- Album mitgeschnitten. Jemand nahm auch Badger auf, testeten sie doch live, was später einmal ein Studioalbum werden sollte. Das Ergebnis ist die Aufnahme des ersten Auftritts der Band, und sie strotzt vor Energie. Die Kritik im Rolling Stone sagte, “nachdem ich das Album gehört habe, hoffe ich, dass Badger niemals ins Studio gehen werden- wenn sie Live immer so gut sind, gibt es keinen Grund dafür.“( RS 142 unter www.rollingstone.com/reviews ). Es gab noch ein Studioalbum, aber mit anderer Besetzung.

“One Live Badger“ gilt als ihr bestes Album. Kurz nach Erscheinen steht es schon auf den unteren Rängen der US- Albumcharts ohne die Unterstützung einer werbewirksamen Tournee. Ein beachtlicher Erfolg für ein Debutalbum.“

Hier der Auszug aus einer gleichzeitig erschienenen umfassenderen Kritik:“... Die Band gab ihr Debut im Dezember 1972 im Rainbow Theatre als Vorgruppe bei den berüchtigten Yes- Konzerten, die die Brut für das“Yes Songs“ Live- Album wurden. Atlantic Records, wo beide Gruppen unter Vertrag waren, entschied, wenn die Ausrüstung schon mal da ist, können wir auch gleich die Vorgruppe aufnehmen, damit sich die Investition umso mehr lohnt. Für heutige Verhältnisse erscheint das ganze Unternehmen mehr als abenteuerlich. Es war diese Aufnahme, die die Grundlage für “One Live Badger“ darstellte. Und wie es sich für ein gutes Album gehört, das Songmaterial ist stark und die Band klingt, als ob sie schon seit Jahren zusammen schreibt und spielt. Die Produktion der Gruppe, zusammen mit JonAnderson und Geoffrey Haslam, klingt frisch, wenn auch wesentlich rauer und aggressiver als die Yes- Aufnahmen der gleichen Abende. Wie zu erwarten, steht Tony Kayes signifikanter Orgelsound bei den meisten Stücken im Vordergrund, besonders bei “On the Way Home“, obwohl er auch andere Keyboards benutzt, um andere Akzente zu setzen. Beim Refrain von “Wind of Change“ setzt er das Mellotron ein, bei “The River“ ist es Electric Piano, das er effektvoll verwendet. Außerdem taucht in mehreren Stücken der Moog Syntheziser auf.Gitarrist Brian Parrish spielt großartige Soli, aber nicht aufgedonnert oder überladen mit technischer Virtuosität. Wie man es von einem Live- Mitschnitt erwartet, ist die solide und effiziente Rythmussection sehr dominant abgemischt- besonders Fosters Bass klingt unglaublich klar- der dynamische Mix aus treibendem Bass, Gitarrenriffs und wehklagendem Keyboard ist super und wahrscheinlich nur bei einer Liveaufnahme hinzukriegen. Am ehesten ist das Ganze mit rockigem Sex zu vergleichen. Alles in allem ein wundervolles Livealbum, dass in keiner Plattensammlung eines 70er-Jahre Rockfans fehlen darf.“

Im selben Jahr erhält Brian einen Anruf von einem alten Bekannten, einem Plattenproduzenten, der Brian schon oft engagiert hatte, auch für die Platten von Dave Dee & Co .Es läuft auf Brians Teilnahme an Jerry Lee Lewis´ London- Sessions hinaus.“ Ich hatte Jerry Lee natürlich damals während meiner Zeit mit Gene Vincent kennengelernt,“ erinnert sich Brian, “und es hat viel Spaß gemacht, die Sessions zu spielen.“ Unglücklicherweise schneidet sich Brian in den Finger und muss absagen. “Sie baten mich trotzdem zu bleiben und Mundharmonika zu spielen- eins der wenigen Male, dass ich das mit Percussion und all dem Zeug im Studio gemacht habe.“ Ist er enttäuscht, wegen des Gitarrenspiels? “Ja, natürlich, aber wahrscheinlich hat es mich davor bewahrt, in Verlegenheit zu kommen, waren da doch alle möglichen exzellenten Gitarristen, unter anderem Albert Lee. Die Hauptsache war : Ich war dabei!“

1974 “Love on My Mind“

1974 findet sich Brian am Scheideweg nach seiner Trennung von Badger. Er unterschreibt bei Warner Brothers als Songwriter und setzt sich dran, neue Songs zu schreiben. Er hat keine Auftritte und vermisst es, mit anderen Musikern zu spielen- und hofft sehnlichst auf einen Plattenvertrag.

Als Chas Chandler die neuen Songs hört, bietet er Brian einen Deal mit den neu gegründeten “BARN“ Records an, die von Polydor vertrieben werden sollen. Die Firma braucht noch einige Zeit bis sie soweit ist, eine Platte auf den Markt zu bringen, aber sie beginnen ernsthaft an dem Projekt zu arbeiten – mit neu engagierten Musikern beginnen sie gleich nach Vertragsabschluss mit der Studioarbeit. “ BARN“ ist eine unbekannte Größe, ein neues Unternehmen, aber Brian hat jeden Grund um Chas zu vertrauen, dessen Erfolgsgeschichte beeindruckend ist. Er hatte den phänomenalen Jimi Hendrix von dessen Ankunft in England bis zu seinem Tod gemanaged. Kurz zuvor hatte er die Karriere der Popband “Slade“ begleitet, die jetzt auf der Höhe ihrer Erfolgswelle schwimmen. Dazu kommt Chas´ Erfahrung als Bassist der “Animals“, und seine liebenswerte Zielstrebigkeit scheinen ein gutes Omen zu sein. Ein Vertragswerk wird gestrickt um Brian aus dem Songwriter- Vertrag bei Warner herauszuholen, ein Punkt besagt, dass einige der unter Warner geschriebenen Songs auf dem neuen Album erscheinen würden.

Mit dem Gerüst von Brians vorangegangener Arbeit mit Badger sind aus seinen Songs mit Anlehnung an Rythm `n` Blues jetzt Rocksongs geworden. Das ist kaum überraschend bei der Rythm- Section von Badger - Dyke und Foster, und Badger hatte die Sache hervorragend gemacht. Brian ist jetzt frei über alles nach zu denken ( wobei “frei“ kaum das richtige Wort ist zu einer Zeit, in der Brians Denken “chemisch“ manipuliert ist ). Jetzt will er die “ funky“ Grenzbereiche erforschen. Hervorragende Musiker werden engagiert, Pete Wingfield und Brian Chatton an den Keyboards, Pete van Hooke am Schlagzeug, Jerome Rimson am Bass. Zum ersten Mal nach langer Zeit wieder ein zweiter Gitarrist, Vic Linton, eine gute Wahl. Die Bläser bestehen aus Brians altem Freund Mick Eve und Howie Casey- noch einer aus der Hamburger Zeit. Nachdem die Aufnahmen beendet sind wird klar, dass “BARN“ noch weit davon entfernt ist, auch nur irgendein Produkt auf den Markt zu bringen. (Es soll noch bis 1976 dauern, bis die Platte “Love on my Mind“ erscheint ! )

Die nicht verwendeten Songs werden auf Eis gelegt und sollen auf dem nächsten Album erscheinen. Dafür werden sechs Songs aufgenommen, dann wird das Projekt gestoppt um für eine Tour zu proben. Eric Burdon ( ex Animals ) will für ein paar Konzerte nach England zurückkehren und behutsam werden Pläne geschmiedet, dass Brian mit von der Partie ist. Viele der Studiomusiker haben anderweitige Verpflichtungen und so beginnt man, eine “BARN“ Hausband auf die Beine zu stellen. Sie soll bei “BARN“ Projekten, wie den Eric Burdon Konzerten, als auch bei Brians´ Auftritten eingesetzt werden.

Mit der Zeit entwickelt sich diese Band zu einer sehr effektiven Einheit, von der Studioband ist noch Brian Chatton an den Keyboards übrig geblieben. Als Eric Burdon für seine Tour nach England kommt, begleitet ihn die Band, Brian Parrish als Gast- Gitarrist. Meistens sind zwei Acts pro Abend auf dem Programm. Zuerst spielt die “Brian Parrish Band,“ um dann als die “Eric Burdon Band“ auf die Bühne zurück zu kommen. Ziemlich verwirrend das Ganze.

Parallel zu diesen Unternehmungen geht Brian mit anderen Künstlern ins Studio – unter anderen mit “Medicine Head“, die von Tony Ashton produziert werden – einmal mehr ist eine Hamburger Freundschaft Grundlage für ein Projekt. Im gleichen Jahr entsteht das Jon Lord ( Deep Purple ) und Tony Ashton Album “First of the Big Bands.“ “Die Arbeit war sehr aufregend“, sagt Brian. “Alles wurde Live im Studio eingespielt, Bläser und alle - in dieser Klasse war das möglich. Jon Lords Musikalität und seine Arrangements waren sensationell, nur tolle Musiker, Ian Paice war geradezu magisch am Schlagzeug, und die Arbeit mit Ashton war ein Riesenspaß.“


1976 : “ Love on my Mind“ kommt auf den Markt. Die Promotion durch “BARN“ wie auch vom Mutterkonzern“POLYDOR“ ist jämmerlich. Brian hasst die Plattenhülle - er findet sie zu oberflächlich und seicht, beeinflusst vom poppigen Slade-Stil, aber eben nicht “rockig“, wie er es von Chas Chandler als Jimi Hendrix´ Ex- Manager erwartet hätte. Ein früherer Entwurf mit einem schwarz- weiß Portrait von Brian wird als zu “düster“ abgelehnt.

Sei es, wie es sei, die Verkaufszahlen von “Love on my Mind“ sind enttäuschend. Brian mag immer noch einige der Songs, aber weniger das Gesamtprodukt, für das er damals ebenfalls verantwortlich ist (!)

Das geplante zweite Album liegt irgendwo vergraben und wird nicht wieder hervorgeholt. Um der Geschichte die Krone aufzusetzen, erscheint am Ende des Jahres auch noch Paul Gurvitz und schreibt “Rolling Home“ mit Brian zusammen. Die beiden waren zusammen aufgetreten, hatten zusammen im Studio gearbeitet und noch einen Song zusammen geschrieben. Dieser ist eine Premiere. Der Song wird als Single veröffentlicht, auf der B-Seite ein Song von Brian, “ Rock´n´Roll Man“ Es kommt zum großen Knall : Brian und “BARN“ beenden ihre Zusammenarbeit.

1977 : Wieder einmal legt Brian eine Zwangsbühnenpause ein, geschrieben wird natürlich weiter, wie immer. Ein alter Freund, Charlie Crane, wird auf einige dieser Songs aufmerksam, ist er doch ein alter Weggefährte Brians`. Charlie hatte für Brian den Warner Brothers Vertrag, noch vor der Chas Chandler / BARN- Zeit, ausgehandelt. Jetzt ist Charlie Manager bei A.T.V. MUSIC ( heute im Sony- Konzern...). Brian kommt bei A.T.V unter Vetrag und wird mit einem neuen Konzept konfrontiert, dem “Writing Pool“. Brian: “Da waren alle möglichen Komponisten auf einem Haufen. Pop-Typen wie Allan Tarney, der für Cliff Richard “ We don´t talk anymore“ geschrieben hatte. Schreiber von Werbe-Jingles und Viola Wills, die auf “Love on my Mind“ Background gesungen hatte. Sie hatte ein paar gute Sachen geschrieben und hatte damals einen Disco-Hit. Ich mochte kein Disco, aber bei Vi machte ich eine Ausnahme!“

“Ich fand mich in einer vollkommen neuen Umgebung. Jeder Woche hatten wir Komponistentreffen. Jeder spielte seine neuen Songs vor, und die anderen lauschten mit zusammengekniffenen Lippen. Stell Dir mal vor, da sitzen 20 Songwriter in einem Raum und hören sich gegenseitig ihre neuesten Werke an - jeder denkt “ich hätte den Akkord woanders hingesetzt!“ oder “ der Refrain ist total daneben“. Wir versuchten kreative Partnerschaften zu bilden, aber ich glaube, ich war noch nie ein Teammensch. Dann gab es sogenannte “Casting- Sessions.“ Das hieß, uns wurde gesagt, wer neue Musik brauchte. In der darauffolgenden Woche präsentierte dann jeder, was er geschrieben hatte, per Mehrheitsbeschluss wurde dann das benötigte ausgewählt. Einmal hieß es, Ray Charles ginge ins Studio und brauche neue Songs. Ein anderes Mal, “ Miss Piggy braucht einen Song für die Muppet- Show nächste Woche!“ Ich habe damals viele Erfahrungen gesammelt, aber das Ganze hielt mich von meiner eigentlichen Leidenschaft ab, nämlich den Bühnenauftritten. Ich hatte derzeit keinen Plattenvertrag und merkte nicht, dass meine Konzentration aufs Komponieren irgendwie den Rückzug von der Bühne für eine lange Zeit bedeutete. So etwas werde ich nie wieder zulassen“.

1978 : Zwar nicht von Belang für diese Story, aber der Vollständigkeit halber sei erwähnt, dass Brian seit 1975 praktizierender Buddhist ist, so auch noch 1978. Von größerem Interesse könnte sein, dass Brians Interesse am Reiten von irgendjemandem in einem der buddhistischen Zirkel geweckt wird. Regelmäßig unternimmt er jetzt an den Wochenenden Ausritte. Bei einem dieser Ausritte stürzt er in vollem Galopp vom Pferd und zieht sich schwere Rückenverletzungen zu, die ihn wochenlang schmerzgeplagt ans Bett fesseln. Stärkste Schmerzmittel nimmt er in unglaublichen Mengen. Eine äußerst merkwürdige, fast schon mysteriöse Parallele : Wie Brian erst viel später herausfindet, liegt Angela Panneck, inzwischen verheiratet weit weg in Bremen, Deutschland, zur gleichen Zeit mit vier Wirbelbrüchen als Folge eines Reitunfalls im Bett. “Hier enden die Übereinstimmungen aber auch schon“ betont Brian. “ Angela war damals eine hervorragende Reiterin und verletzte sich bei einem Pferderennen. Sie war eine der ersten weiblichen Jockeys in Deutschland. Ich war nur ein verrückter Musiker, der auf einem Pferd durch die Gegend bretterte und, wie ich mich erinnere, mit mehr als ein bisschen Alkohol im Blut.“

Bevor er sich ganz aufs Schreiben konzentriert spielt Brian zu der Zeit noch einige kleine Gigs mit Musikern seiner Wahl. Gelegentlich kommen andere Musiker dazu. An einem denkwürdigen Abend taucht Herbie Hancock auf und spielt ein paar Songs. “Eine große Ehre“ findet Brian. “Ich bin froh, dass jemand ein paar Fotos gemacht hat, aber er hat nicht wirklich mit meiner Band gespielt. Korrekterweise muss man sagen, dass er uns eine Stunde Musikunterricht gab.Hut ab, keine Frage.“


1979- 1980 : Wenn die ATV- Erfahrung auch sehr interessant ist, so ist es doch nicht Brians berufliche Heimat, und so sucht er fieberhaft nach neuen Wegen. “Ich hatte immer weniger gespielt, obwohl ich regelmäßig als Studiomusiker mit den anderen Komponisten an der Gitarre arbeitete. Viele Demos, Werbe-Jingles.....nur solche Sachen. Nicht gerade das Wahre!

Ich meine, die Leute überhäuften mich mit Geld damit ich für sie arbeitete, auch Gesangsaufnahmen waren dabei, aber innerlich verkümmerte ich. Ich nahm viel zu viel Alkohol und Drogen. Das musste ich ändern, und irgendwann tat ich das, nur damals noch nicht.“


1981 : Brian schreibt weiter gute Funky-Songs, aber keiner hat durchschlagenden Erfolg. Nachdem er sich von ATV getrennt hat, bekommt er ein Angebot von Chrysalis Music. Brian ist zwar einerseits mehr am Chrysalis Plattenlabel als neue Heimat für seine Auftritte interessiert, andererseits reizt ihn aber auch die enthusiastische Verlagsabteilung für die bluesig-funkigen Songs, die er jetzt schreibt. Er spielt zwar unregelmäßig weiter mit seiner Band, aber ein Plattenvertrag ist nicht in Sicht. Der Schwerpunkt liegt nach wie vor auf seinen Songs, und so akzeptiert er das Angebot von Chrysalis. Er liegt falsch mit der Annahme, dass dieser Kontrakt in einen Vertrag mit der Plattenfirma, nicht dem Verlag Chrysalis, münden würde.

Die Verlagsabteilung wiederum hat kein signifikantes Genre für Brians Arbeit. Ironischerweise, als ob die Schrotschussmethoden von ATV immer noch Einfluss auf seine Karriere haben sollten, landet er in der Pop-Ecke. Alvin Stardust nimmt zwei seiner Songs für Stiff- Records auf - “Got my Money on You“ und “Give a Little Time“. Beide werden auch von Brian produziert.

1982 : Brian verlässt desillusioniert Chrysalis und beginnt an einem Projekt über Entfremdung zu arbeiten, basierend auf George Orwells “ 1984 “.Es ist ein merkwürdiges Projekt, das niemals vollendet wird, “niemals das Licht der Welt erblickt“, trotzdem wirft es einige gute Songs ab. Wenn Brian heute über diese Zeiten nachdenkt, meint er : “ Ich suchte damals nach spirituellen Lösungen, die ich nicht fand. Ich wusste noch nichts von Gottes Gnade und Seiner bedingungslosen Liebe. Ich hatte keine Ahnung, dass Er seine Hand über mir hielt. All das wartete auf der anderen Seite der Tür, die ich selbst verschlossen hatte. Ich konnte mich nicht erinnern, sie geschlossen zu haben, ja, ich wusste nicht einmal mehr, dass es die Tür gab! Eine Zeit lang war ich verloren!“. Er schreibt zahlreiche Songs, die von sozialen Ungerechtigkeiten handeln - Leuten, die auf der Strasse schlafen, die offensichtliche Herzlosigkeit des Establishments, rückblickend eine Reaktion auf die Arroganz der nicht nach links und rechts schauende Thatcher- Regierung.“ Das ist sicher richtig“, sagt Brian “hatte aber auch damit zu tun, dass ich tendenziell nur das Negative sah. Ich hoffe, das Gegenteil trifft heute auf mich zu. Trotzdem, einige Songs waren gut und einige wären es Wert noch mal überarbeitet zu werden, aber das Zeug, was ich heute schreibe, gefällt mir eben besser.“

Die Karriere liegt auf Eis. Es gibt noch sporadische Auftritte mit ein paar Musikern, mit den er auch im Studio zusammengearbeitet hatte, inklusive seiner eigenen Demo-Aufnahmen bei Chrysalis und den Alvin Stardust Songs. Die derzeitige Brian Parrish Band besteht aus Les Binks am Schlagzeug ( Ex Judas Priest ), John Currie am Bass ( Drifters, später mit Slash) und Alan Lisk an den Keyboards ( ein großartiger Komponist, der tolle Arbeiten für Film und Fernsehen geschaffen hat). Drogen und Alkohol seit Jahren ein Problem, aber zumindest beruflich immer im Hintergrund , geraten jetzt vollkommen außer Kontrolle.

1984 : “Trotz der Selbstzerstörung schrieb ich immer noch,“ erinnert sich Brian, “heute finde ich das sehr erstaunlich. Ich arbeitete regelmäßig bis vier Uhr in meinem Heimstudio- mit der unvermeidlichen Flasche am Mischpult und auch anderen Substanzen. Ich war besessen und ich war produktiv! Aber außerhalb meines Studios konnte ich nichts mehr bewegen. Das hätte fast das Ende dieser Geschichte bedeudet, aber Gott sei Dank, das war´s noch nicht. Das “1984“- Projekt kommt ins Regal, war doch schon ein andere Orwell- Verfilmung auf dem Markt. Monate des Jahres vergehen und das ganze zerplatzt wie eine Seifenblase.

1985 : SHELTER (Schutz) : Wieder einmal getrieben von der Vorstellung einer verantwortungslosen Regierung und der ständigen Bedrohung durch einen nuklearen Konflikt ( die Rüstungsbeschränkungen hatten noch nicht begonnen und die Presse, wie immer, beschäftigte sich weiter dem “Was wäre, wenn ...,“ sie mussten Auflagen machen ), schreibt Brian “Shelter“ . Es ist eine hymnenähnliche Melodie. Der Text aus der Sicht eines verständnislosen und wütenden Überlebenden des Holocaust, der eine schutzsuchende Gruppe von zerlumpten Leidensgenossen durch eine nicht wiederzuerkennende Einöde führt und keine Zuflucht mehr findet.

Der Zorn richtet sich gegen diejenigen, die entschieden haben, wessen Leben schützenswert ist, und wer schutzlos auf sich allein gestellt ist. Ein Auszug : “Sie werden sicher und geborgen sein. Aber die anderen, unter der Erde, wir wagen es nicht laut zu sagen, aber da wird kein Schutz sein.“ Der Song wird mit den zuvor genannten Musikern aufgenommen und ein kurzer Film ist in Planung. Das Resultat ist ein sechsminütiges Video als Support für eine Platte, die wieder einmal nicht erscheint. Brian : “Ich hab das Video kürzlich gesehen, und es ist nicht schlecht. Für ein paar Minuten war alles wieder da - die Angst, alles was wir damals fühlten. Ich denke viele würden es mögen, wenn sie es heute sehen würden und würden es für tiefsinnig und bedeutungsvoll halten oder so. Ich sehe nur einen Mann mit einem Haufen Problemen mit seinem Leben. Heute bin ich tausendmal glücklicher und wieder voller Energie. Was soll ich sagen ? Zum Wohle der Website und Aller, die es interessiert was ich 1985 getrieben habe, bitteschön.“
Im Juni des selben Jahres stirbt Brians Mutter. Ein Ereignis, was seinem Gefühl der Entfremdung noch eins oben drauf setzt. Sein Arbeitspensum im Heimstudio steigt, der Alkoholkonsum auch. Bizarrerweise beginnt er, Country- Songs zu schreiben und plant ernsthaft eine Country (- Rock)- Band namens “Parrish- Texas“ .“Früher gehörten Alkohol und Country- Musik zusammen. Vielleicht glaubte ich, George Jones, Steve Earle oder sonst jemand zu sein. Ich war ein 38- jähriger Mann aus Ilford, Essex, der auf der ganzen Welt gespielt hatte, die jetzt auf ein kleines Aufnahmestudio und ein immer volles Whiskeyglas geschrumpft war. Aus meiner Ehe war die Luft raus, das kam noch dazu. Ich glaubte, ich könnte mich allein aus dem Dreck ziehen.Iirgendwie auf meine Art den Riesen- Hit schreiben oder auch irgend etwas anderes. Das Gegenteil hätte ich tun sollen. Endlich meine Machtlosigkeit und die Macht und Liebe Gottes zu akzeptieren und ohne es zu wissen, war ich kurz davor. Verschwommene Erinnerungen an Weihnachten.
Am ersten Januar 1986 hatte ich einen klaren Gedanken . Etwas wie `wach auf – es muss anders werden – jetzt oder nie´. Am zweiten Januar trank ich nichts, auch der Dritte und Vierte waren alkohol – und drogenfrei. Ohne zu wissen woher ich die Kraft nahm, schaffte ich es drei Wochen.. Dann kam die Angst, dass ich nicht durchhalten würde und wieder abstürzen könnte. Ich hatte zwar aufgehört, aber jetzt brauchte ich Hilfe. Ich ging zum ersten Mal zu einem AA- Meeting und- noch viel wichtiger…. eines Nachts kniete ich in meinem Schlafzimmer und sagte die Worte, die mein Leben retten sollten. Ich sagte: “Bitte Gott, hilf mir“ vielleicht auch “wenn es Dich gibt“... ich war damals noch nicht sicher. Ich würde gern von Lichterscheinungen oder transzendenten Visionen berichten, aber es gab keine. Ich stand erstaunt auf und musste erst einmal wieder zu mir kommen. Aber die Arbeit war getan, ich hatte IHN um Hilfe gebeten, und ER war bei mir im Zimmer, kein Zweifel.“

Um sich auf seinen Entzug zu konzentrieren, stellt Brian seine “Karriere“ in den Hintergrund. Er schrieb zwar noch, akzeptierte aber, dass er geistig und moralisch am Ende war und konzentrierte sich auf seine Wiederherstellung, auf einen Neuanfang. Er betet jetzt jeden Tag - aber immer noch keine wunderbaren Erscheinungen.

Bei den anonymen Alkoholikern trifft er viele Musikerkollegen. Einige sehr erfolgreiche Prominente darunter- und wird bestärkt durch deren Erfahrungen, aber auch von allen anderen Mitgliedern der Gruppe, die aus allen gesellschaftlichen Bereichen kommen. Brian meint: “Alkoholismus und Sucht kann jeden treffen und zerstören. Jeder, der es schafft, davon los zu kommen kann sich glücklich schätzen, gehört er doch zu einer Minderheit. Die schrecklichen Dinge, die Süchtige ( auch ich) unter den Schmerzen ihrer Krankheit tun, sind zerstörerisch. Allein schon ein Blick in die Kriminal- oder Unfallstatistik sagt genug. Ebenso Missbrauch in der Ehe, die Horror- Geschichten sind furchtbar.
Wenn du erst mal den Weg aus der Sucht angetreten hast, musst du Verantwortung übernehmen. “Ich wusste nicht, was ich tat“ - gibt´s nicht!

Es ist eine lange Reise. Sie beginnt mit der Selbstachtung auf der Toilette und einem Hoffnungsschimmer, an den du dich klammerst. Aber Gottes Liebe ist unendlich, unvorstellbar. Wenn du IHN mit dem Herzen rufst, ist ER da. Ich bin kein Prediger, ich bin Musiker, das ist ein anderer Weg. Aber, ich bin nur am Leben und kann diesen Weg gehen dank des Herrn, Jesus Christus, das ist die Wahrheit!“

Im Laufe des Jahres 1986 findet Brian endlich den Mut, seine Eheprobleme zu lösen.“Wir mussten uns trennen, das war mir klar. Das Leben hatte uns eingeholt. Das Ende war unausweichlich und es war schmerzhaft, aber meine Verdrängungsmechanismen funktionierten umso weniger, je klarer mein Kopf wurde.“ Seine Kreativität bekommt wieder neuen Schwung und er produziert neue Songs. Einige davon erscheinen Jahre später auf Brians CDs “Home Alone“ und “Songwriter plus Band“. Viele Singer/ Songwriter sind der einhelligen Meinung, dass nichts so viel Inspiration für neue Songs gibt wie eine Trennung. So sollte es auch bei Brian sein. Einige der Songs sind eigentlich nur für ihn selbst - Verarbeitung, andere scheinen von breiterem Interesse und Relevanz zu sein. Charlie Crane, der damals Brians ATV- Vertrag und zuvor auch den bei Warner vermittelt hatte, hört einige der Songs und möchte Brian wieder im Studio haben.

1987 Charlie Crane hatte mit John Fishlock die Crane/Fishlock Music gegründet. Sie wollen Brians Songs verlegen und natürlich muss ein Plattenvertrag her, mit der Sicherheit, dass die Songs auch aufgenommen werden. Brian ist mittlerweile vorsichtig, lediglich einen Vertrag mit einem Verlag ohne Aufnahmegarantie zu unterschreiben, natürlich will er wieder ins Studio. Es wird ein Kontrakt ausgehandelt : Crane/Fishlock finanzieren die Studioaufnahmen von zwei Songs mit Country- Einschlag (“Tethered Hearts“ und “Standing in my Shoes“). Die Mastertapes sollten dann an eine Platenfirma verkauft werden. In diesem Moment würde Crane/ Fishlock die Vermarktung übernehmen. Ein Zeitlimit wird vereinbart in dem die Firma einen Plattenvertrag an Land ziehen müssen, andernfalls fielen die Rechte an den Songs an Brian zurück.

1988 : Begeistert von diesen Titeln denkt Brian erneut über sein “Parrish-Texas“ – Projekt nach. Da noch kein Aufnahmetermin mit Crane/ Fishlock ansteht, komponiert er weitere countrymäßige Songs und nimmt sie zu Hause auf. Jetzt spielt er auch Resonatorgitarre ( Dobro). Jetzt macht er alles selbst, er spielt Bass und sogar ziemlich mühsam Keyboard, “nicht mein Instrument“ meint Brian. Natürlich auch mehrere Gitarren sowie Percussion. Ab und zu kommt Brian (B.J.) Cole herein, Englands berühmter Steel- Guitar Spieler, und spielt ein paar Spuren ein, “ das meiste habe ich aber selbst gespielt.“

Ende 1988 stehen endlich die garantierten Aufnahmetermine für “Tethered Hearts“. Im Folgejahr.Brian :“Ich arbeitete hart an dem Musical `Coal Face´ und war wirklich heiß darauf. Aber das wichtigste war, clean und nüchtern zu bleiben und mit Gott ins Reine zu kommen. Das verlorene Schaf hatte sich weit von der Herde entfernt, und, verdammt, Rock´n´Roll hätte mich fast umgebracht.“

1989 : Brian geht ins Studio und nimmt “Tethered Hearts“ auf. Alle, die er haben wollte, sind dabei ( Binks, Currie, Lisk) , B.J.Cole spielt Pedal Steel Guitar, hervorragend. Das Ergebnis ist erfreulich, aber angesichts der wachsenden Popularität von “ New Country“ in Amerika (Dwight Yoakam, Steve Earle, Lyle Lovett et cetera) findet es keinen Abnehmer unter den englischen Plattenfirmen.
Stichwort Nashville ? “Nein, nicht wirklich“ sagt Brian. “ Die sind viel zu konservativ für alles was auch nur ein bisschen von dem abweicht, was sie für Country halten. Außerdem werden sie überrannt von Gitarrenzupfern und Typen mit Riesenhüten. Was brauchen die noch einen englischen Emporkömmling ?“
Begleitet von vorsichtigen Telefongesprächen werden Kopien an A und R Leute der Plattenfirmen geschickt... Nichts - “Das war damals enttäuschend“, erinnert sich Brian, “OK, aus den erwähnten Gründen war Musik nicht mehr die Hauptsache in meinem Leben, aber trotzdem, aber es ging mir um die Songs, und die waren gut. Ich weiß nicht, ob es etwas mit dem Alter zu tun hatte ( er war damals 42). Die Presse nannte die Rolling Stones bereits “Faltenrocker“- extrem dumm und respektlos.

“Ich weiß nicht, ob es der Punk war oder diese hübschen `New Romantic Bands`. Wenn du nicht 22 Jahre alt, sportlich mit dem “Haarschnitt des Monats“ warst, war es problematisch, einen Vertrag zu bekommen. Die Köpfe der Plattenfirmen waren jetzt auch eine Generation jünger als ich und mehr an Synthesizermusik interessiert. Ironischerweise sind diese Typen und die Bands, die sie unter Vertrag nahmen, längst weg vom Fenster und die Stones , mittlerweile alle über 60, waren der meistverkaufte Live-Act des letzten Jahres.“

1990 : Ohne ihre Veröffentlichung fallen die Rechte an den Songs zurück an Brian Parrish und wieder einmal zerbricht er sich den Kopf wie es weiter gehen soll. Die Tantiemen werden weniger, Steuerschulden drücken, und ohne einen neuen Plattenvertrag muß er von irgend etwas leben.

“Ich traf ein paar Leute, die mich der Welt des Anzeigenverkaufs bekannt machten. Eine Weile verkaufte ich leere Stellen in Büchern und Magazinen für Werbeanzeigen und verdiente gutes Geld damit. Ich möchte nicht viel darüber erzählen, hat es doch nichts mit meinem musikalischen Leben zu tun. Es gab auch nichts, was mich wirklich betraf in dieser Zeit. Es genügt zu sagen, dass ich lernte, dass es außer dem Musikbusiness noch andere halsabschneiderische Branchen gibt. Und ich lernte die Sprache des Top-Managements zu sprechen. Für meine nächsten Unternehmungen sollte sich das als unschätzbaren Wert herausstellen.“

1991 : Im Vorjahr hatte Brian an einem Buch zur Ehrung „ Ihrer Majestät Queen Mother“, anlässlich ihres neunzigsten Geburtstags gearbeitet, die Einnahmen fließen in ihre gemeinnützigen Projekte. Mit offizieller Genehmigung vom Clarence House bekommt Brian die Möglichkeit mehrere Wirtschaftsbosse zu treffen, entsprechend dem Ansehen, das sie genießt. “Dies ist nicht gerade Rock´n´Roll, und viele Linke werden meine Meinung nicht teilen, aber ich habe größten Respekt vor der Royal Family. Mein einstiger Held, John Lennon, schickte seinen Order of the British Empire zurück. Unwahrscheinlich, dass ich jemals vor so eine Entscheidung gestellt werde!“

Jetzt trifft Brian Leute die es ihm ermöglichen, seine Kontakte und Erfahrungen erfolgreich auf einem Gebiet einzusetzen, das ihn schon lange interessiert hatte.
An dieser Stelle übernimmt Brian die Story : “Schon lange hatte ich mich für soziale Probleme interessiert. Jetzt war mein anklagender, teilweise plakativer Standpunkt aus meinen Songs dem Wunsch gewichen, an Lösungen zu arbeiten. Viele dieser Lösungen schienen in wirtschaftlichen Veränderungen zu liegen und ich fing an mit Wirtschaftsführen zu sprechen, deren Aktivitäten einen direkten Einfluss auf das soziale und wirtschaftliche Gefüge unserer Welt haben, nicht zu vergessen die Umwelt. Ich interessierte mich für Menschen und Unternehmen, die verantwortungsbewusst handelten.
Die nicht nur für gemeinnützige Zwecke spendeten, obwohl nichts Schlechtes daran ist, sondern selbst grundlegende Dinge taten. Ich begann, mich für Klimawechsel, Umweltverschmutzung, das Ozonloch und so weiter zu interessieren.

Ich bekam die Möglichkeit an einem speziellen Buch zu arbeiten. 1992 fand eine UN- Konferenz für Umwelt und Entwicklung in Rio de Janeiro statt. Länder der ganzen Welt nahmen daran Teil. Das Ziel war ein Aktionsprogramm zu beschließen, dass den Weg zu einer soliden Zukunft erleichtern sollte. Das Ergebnis war die Erklärung von Rio und die Agenda 21.

1991 begann ich mit den Präsidenten von Großunternehmen aller Industriezweige zu sprechen. Ich argumentierte, dass die Wirtschaft der Motor für soziale Veränderungen sein könnte und im Gegenzug wachsen würde. Es interessierte mich, ob Großunternehmen als Vorreiter in Umweltfragen gesehen werden wollten oder nur auf Auflagen der Regierung in Sachen industrieller Verfahren und Emissionen zu reagieren. Im Laufe des Jahres nahmen viele meine Einladung an und veröffentlichten solidarische Botschaften im offiziellen Buch des UN- Weltgipfels - und zahlten dafür.

Die nächsten vier Jahre arbeitete ich an Flüchtlingsprojekten des UN-Hochkommissars, die sich mit Menschenrechten befassten. Wir untersuchten die Standpunkte einzelner Regierungen zur Entwicklung von Demokratie und Frieden. Immer wieder, die Wirtschaft ist der Angelpunkt der Entwicklung. Ich schrieb weiterhin Musik, aber ein Projekt schien das nächste nach sich zu ziehen und es gab entsprechende Bücher für UNDP und UNEP. Bei einem bin ich besonders stolz daran beteiligt gewesen zu sein......

Es war ein Projekt in Verbindung mit dem Welternährungsprogramm in Zusammenarbeit mit dem italienischen Erziehungsministerium. Ganz einfach, ich sammelte Sponsoren für die Erstellung von Lernmappen für 11- bis 14jährige italienische Kinder. Die Mappen informierten die Kinder über die Arbeit des Welternährungsprogramms, Nahrung für 15 Millionen Menschen in 90 Ländern bereitzustellen.

Die Mappen enthielten auch Projektarbeiten als Zusatz zum Stundenplan. Gleichzeitig gab es für dieses Projekt “Viele Menschen / ein Planet ( Tanti Populi / Una Terra )“ ein Begleitvideo, in dem ein Tag im Leben eines afrikanischen Mädchens sowie die Arbeit des Welternährungsprogramms gezeigt wurde. Viele Prominente, unter anderem „Zucchero“, nahmen Videobotschaften dafür auf.

Ich liebte meine Arbeit, aber falls jemand der diese Zeilen liest, denken sollte, dies war uneigennützige Arbeit zum Wohle der Menschheit, dem muss ich sagen, dass ich dafür gut bezahlt wurde. Ein Gewinn für beide Seiten. Trotzdem vermisste ich meine Live- Auftritte.
Vereinzelt erhielt ich Anrufe, um mit alten Freunden ins Studio zu gehen, aber das reichte mir nicht.

1996 / 1997 : Ich ging jetzt regelmäßig zur Kirche um meinem Retter näher zu kommen. Ich hatte noch nie viel für organisierten Glauben übrig, bestärkt auch durch meine Zeit als Buddhist - Jahre zuvor. Aber etwas war passiert. Etwas Grosses! Ich hatte an mehreren christlichen Kongressen teilgenommen und irgendwann 1994/95 ( ich weiß, ich sollte das genaue Datum wissen, denn es war wichtig!), machte ich mein Glaubensbekenntnis : Ich betete um Vergebung und holte Jesus in mein Leben. Plötzlich spürte ich eine intensive Präsenz des heiligen Geistes. Die Erleuchtung hatte eine Weile gedauert, aber jetzt war sie da. Kein Zweifel - Er war da ! Lobet den Herrn!

An dieser Stelle möchte ich einer treuen und wunderbaren Dienerin Gottes danken, die ich sehr liebe. Nach Jahren nahm sie mich das erste mal wieder mit in die Kirche. Betete mit mir und für mich, nahm mich zu mehreren Kongressen mit und unterm Strich gab sie mir so viel, wie ich niemals zurückgeben kann. Ich will sie nicht in Verlegenheit bringen und auch nur irgend etwas aus ihrem Privatleben ausplaudern. Eigentlich ist eine Website nicht der geeignete Ort, aber mein Dankeschön ist mehr als überfällig. Ich hoffe, du verzeihst mir, wenn ich deinen Namen nenne. Patricia Randall - vielen, vielen Dank. Gott segne dich!

1998 : Wieder einmal ein Anruf von alten Freunden. Es war Topper Clay von den Londoners, Knack und später New York Public Library. NYPL trat immer noch auf, mit zwei oder drei Originalmitgliedern. Wieder einmal gab es eine Reunion, und sie luden mich ein dabei zu sein. Es machte wieder großen Spaß und Ende 1998 ( glaube ich zumindest, Topper wird ein anderes Datum nennen, und wahrscheinlich hat er Recht), egal 1998 oder 1999 spielten wir in einem Pub. Die Bühne war eher eine kleine Nische, die Lautstärke wurde zur Folter, der Schall schien direkt aus dem Publikum auf uns zurückgeschleudert zu werden.

Ich ging mit einem Klingeln in meinen Ohren heim. Nichts schlimmes, bei großer Lautstärke war mir das schon häufiger passiert, am nächsten Tag würde es wieder vorbei sein. Diesmal nicht. Noch Wochen später klingelte es in meinem rechten Ohr und mir war schwindelig. Ich ging zu meinem Arzt. Um es kurz zu machen, über Monate wurden Tests durchgeführt, Medikamente ausprobiert während Spezialisten über den Grund meines Problems spekulierten.“ Menièrsche Krankheit ?“, “Postvirale Innenohrschädigung“ schlug ein anderer vor. Endlich bekam ich einen Termin für eine Kernspintomografie. Nochmals langes Warten. Dann bestellten sie mich noch einmal, die erste Tomografie sei ohne Befund. Am Ende diagnostizierten sie eine Hirntumor bei mir.

 

- - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - > bis gleich, weitere Übersetzung folgt in Kürze - >>>- - - - -

 

Den zweiten Teil der Biografie finden Sie in Kürze hier übersetzt. Haben Sie bitte etwas Geduld und besuchen Sie bald wieder meine Seite. In der Zwischenzeit will ich Rockin´ Doc Mathias Misselwitz Herzlichsten Dank aussprechen für die tolle Arbeit und Übersetzung.

Ich freue mich wenn wir uns wiedersehen / lesen.....

Herzlichste und Beste Grüsse

von



image